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Was spielen Sie so zu Weihnachten? Oh je, du fröhliche?

Weihnachten ist doch die Zeit, da die Familie zusammenkommt - aber in etlichen Familien wird, statt fröhlich und friedlich die gemeinsame Zeit zu genießen, gespielt. Allerdings nicht „Monopoly“, oder die „Siedler von Catan“ und schon gar nicht „Mensch, ärgere dich nicht“ - das am allerwenigsten.

Viel mehr finden sich die lieben Verwandten zu folgenden Spielen zusammen:

  • Das „Ja-Aber“- Spiel, mit dem jeder noch so konstruktive Vorschlag abgeschmettert werden kann - zum Beispiel, wenn man sich nicht über die Gestaltung der Feiertage einigen kann.
  • Das „Ach-wie-schrecklich“- Spiel, bei dem man tüchtig jammern kann, statt etwas zu ändern - zum Beispiel, dass es immer an einem hängen bleibt, die nervige Tante Auguste an Heiligabend zu bewirten, und dass diese ganze Kocherei überhaupt viel zu viel Arbeit ist und dass Weihnachten ja sowieso nur noch eine Konsumveranstaltung ist und man die letzten drei Wochen nur durch die Geschäfte gehetzt ist und und und.
  • Das „Blöd“ – Spiel, mit dem man sich so wunderbar um ungeliebte Aufgaben drücken kann - zum Beispiel, dass man wirklich zwei linke Hände hat und noch nie kapiert hat, wie dieser komplizierte Mechanismus des Chrisbaumständers funktioniert.
  • Das  „Tritt-mich“- Spiel, mit dem der Spieler den Geduldigsten zur Weißglut bringen kann, zum Beispiel weil er „vergessen“ hat, noch rechtzeitig ein wichtiges Utensil zu besorgen und auch dieses Jahr wieder  -„same procedure as every year“ - die Großmama mit seinen geschmacklosen Witzen auf die Palme bringt.
  • Das „Makel“ – Spiel, das spielt die Schwiegermutter: „Schmeckt ja ganz apart, meine Liebe, aber ich schicke dir mal ein richtig gutes Rezept!“
  • Das „Holzbein“- Spiel, das der  eigenen Bequemlichkeit dient: „Also man kann doch von einem Mann mit meinen Rückenproblemen nicht erwarten, dass er den Christbaum schmückt!“
  • Das „Wenn-du-nicht-wärst“ – Spiel, mit dem man jede Verantwortung auf den anderen schieben kann. Das kommt meistens erst auf den Spielplan, wenn man sich schon zwei, drei Tage auf die Nerven gegangen ist.
  • Das Gerichtssaal- Spiel mit dem endlich der Schuldige gefunden und abgeurteilt werden soll: „Wer hat denn damals gesagt, dass…“ „Ach nee, und wer hat vorher darauf bestanden, dass…“ „Das war doch nur, weil du vorher unbedingt…“ „Naja, aber dann erinnere sich mal, wie das vor zwei Jahren war, da wolltest du nämlich unbedingt… und dann hatten wir den Salat!“

Vielleicht haben Sie Ihre ganz eigenen Erfahrungen damit, wie bei Ihnen zu Hause „psychologische Spiele“ - denn darum handelt es sich, gespielt werden. Wenn die Atmosphäre ungemütlich wird, wenn Spannung in der Luft liegt und spätestens, wenn Türen knallen, können Sie davon ausgehen, dass ein psychologisches Spiel in Gange ist.

Wie psychologische Spiele funktionieren, das bringt die „Spielformel“ kurz und knackig auf den Punkt:

  • Jedes Spiel beginnt mit einem Köder, den Spieler A auswirft
  • Dieser Köder trifft bei Spieler B auf einen wunden Punkt
  • Dieser wunde Punkt sorgt dafür, dass der Köder „geschluckt“ wird, das heißt, dass Spieler B darauf reagiert, statt ihn einfach liegen zu lassen
  • Die beiden Spieler nehmen ihre Rolle im Drama-Dreieck ein - diese Rolle ist entweder die von „Opfer“, „Retter“ oder „Verfolger“
  • Es folgt eine mehr oder weniger lange Reihe von Spielzügen in Form von verdeckten Botschaften, Sticheleien oder Anschuldigungen
  • Es findet ein Wechsel der Rollen im Drama-Dreieck statt - also ein „Opfer“ oder ein „Retter“ wird plötzlich zum „Verfolger“
  • Das ergibt einen Moment der Verblüffung
  • Das Spiel ist erst mal aus
  • Der Spielgewinn wird ausgezahlt in Form von negativen Gefühlen, selbst bei dem, der vermeintlich triumphiert


Mehr über psychologische Spiele, wie sie funktionieren, warum sie überhaupt gespielt werden und wie man mit ihnen umgehen oder sie ganz und gar vermeiden kann, können Sie nachlesen in „Schluss mit diesen Spielchen“ von Renate und Ulrich Dehner.

 

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